Architektur

Die Kapelle - Erläuterungen zum Entwurf

Der Neubau einer Kapelle mit Kolumbarium in Ehmen ist ohne die Rückholung des spätmittelalterlichen Marienkrönungsaltars (um 1450) nicht denkbar. Dieser Umstand ist sowohl Auslöser als auch Bestimmungsfaktor für Konzeption und Planung dieses neuen Bauwerks. In unmittelbarer Nähe zur neugotischen St. Ludgeri-Kirche und auf diese räumlich bezogen wird der kleine Zentralbau eigenständig formuliert: auf kreuzförmigem Grundriss und im Aufriss analog gegliedert wird ein Raum mit knapp 60 qm geschaffen, der seine Wirkung erzielt

  • durch die erhabene räumliche Höhe (ca. 6 m)
  • durch das sanfte Licht über ein zentrales rundes Oberlicht (Auge oder Opaion), Durchmesser = 2 m und
  • durch die axiale Orientierung auf den restaurierten hölzernen Marienkrönungsaltar.

Die Kapelle ist topografisch so eingebettet, dass sie stufenlos erreichbar ist. Sie bietet Platz für ca. 30 Personen auf Bänken. Das äußere Erscheinungsbild wird geprägt durch NAtursteinflächen, so wie sie in den örtlichen Mauern vorkommen. Rau und sinnlich zugleich; nachts könnte die Kapelle einer Laterne vergleichbar ein sparsames Licht nach außen geben. Im Innern bilden wenige helle Materialien und Oberflächen den angemessenen, ruhigen Rahmen für den Altar.

Die Empfindlichkeit des wertvollen historischen Altars erfordert sorgfältig abgestimmte raumklimatische Bedingungen, die einer regelmäßigen Überwachung unterliegen. Mit einem Taufbecken im räumlichen Mittelpunkt und mit dem umschließenden Kolumbarium im Außerbereich steht die Kapelle sinnbildlich für Anfang und Ende menschlichen Daseins. Soe wie der historische Altar aus der Vorgängerkirche stammt, so rührt auch die kleine ovale Gasmalerei mit der Auferstehung Christi aus der alten Kirche, die ebenso in der Kapelle an einem angemessenen Ort ihre Wirkung erzielt.

Wenn man es so sehen will, dann ist die Gebäudehülle einem „Schatzkästchen“ vergleichbar, das den Altar behütet, ihm angemessenen Raum und Wirkung gibt und damit in einer tiefen Bindung zur Geschichte dieses Ortes steht.

Wolfgang Pax

 

Das Architektenehepaar pax brüning architekten Hannover

Anja Brüning, Dipl.-Ing. Architektin BDA DWB / 1966 in Hannover geboren / 1986-90 Produktdesignstudium FH Hildesheim-Holzminden / 1990-96 Architekturstudium Universität Hannover / seit 1997 Mitglied im Deutschen Werkbund / seit 1999 Mitglied im BDA / seit 1999 freischaffende Architektin und Stadtplanerin in Hannover / seit 2002 pax brüning architekten / seit 2005 Vorstandsmitglied der BDA Bezirksgruppe Hannover

Wolfgang-Michael Pax, Dipl.-Ing. Architekt BDA DWB / 1949 in Göttingen geboren / 1969-75 Architekturstudium Universität Hannover / ETH Zürich / seit 1979 freischaffender Architekt und Stadtplaner in Hannover / seit 1979 Mitglied im Deutschen Werkbund / seit 1984 Mitglied im BDA / 1984 Rom-Preisträger Villa Massimo Aufenthalt 1985/86 / 1990-91 Lehrauftrag Universität Hannover, Institut für Baukonstruktion und Entwerfen / 1990-07 im Beirat des Kunstvereins Hannover / seit 1991 Mitglied der Vertreterversammlung der Architektenkammer Niedersachsen / 1996-03 Mitglied im Städtebaubeirat in Göttingen / 1999-2000 Gastdozent an der Universität Hannover, Institut für Entwerfen und Architektur / seit 2002 pax brüning architekten